KI-gestützte Navigation für den individuellen Gelenkersatz: Alexianer Klinikum Hochsauerland investiert in neue Technik
Als eines der wenigen EndoProthetikZentren der Maximalversorgung (EPZMax) in der Region nutzt das Klinikum seit kurzem die KI-gestützte digitale Plattform Pheno4U® des deutschen Herstellers Aesculap. Das digitale Navigationssystem unterstützt die Operateurinnen und Operateure dabei, insbesondere künstliche Kniegelenke noch individueller zu planen und präzise einzusetzen.
„Die individuelle Versorgung von Patientinnen und Patienten mit künstlichen Gelenken gehört bereits seit vielen Jahren zum Versorgungsangebot des zertifizierten EPZMax im Alexianer Klinikum Hochsauerland“, sagt Priv.-Doz. Dr. med. Björn Hußmann, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie.
„Jeder Mensch hat eine individuelle Anatomie, ein eigenes Bewegungsmuster und auch persönliche Ziele. Deshalb ist es entscheidend, nicht nach einem starren Schema vorzugehen, sondern Körperbau, Bandführung, Beweglichkeit und Lebenssituation genau zu berücksichtigen. Die digitale Navigation unterstützt uns dabei, diese Individualisierung noch präziser umzusetzen“, erklärt Christian Hoff, Sektionsleiter Endoprothetik und Leiter des EPZMax im Alexianer Klinikum Hochsauerland. „Unser Ziel ist ein möglichst natürliches Bewegungsgefühl und eine hohe Zufriedenheit mit einem neuen Gelenk.“
Mehr Präzision – besonders bei komplexen Wechseloperationen
Die neue Technik ist nicht nur ein Fortschritt für die Erstversorgung mit einem künstlichen Gelenk. Einen besonderen Mehrwert kann sie gerade dort bieten, wo Eingriffe anspruchsvoller sind: bei Wechseloperationen, Fehlstellungen, Lockerungen, schwierigen Knochenverhältnissen oder Beschwerden nach bereits erfolgter Knieprothesenimplantation.
Solche Fälle gehören zum besonderen Leistungsspektrum eines EndoProthetikZentrums der Maximalversorgung. Das EPZMax am Alexianer Klinikum Hochsauerland behandelt komplexe Wechseloperationen an künstlichen Hüft- und Kniegelenken besonders häufig und fungiert als Überweisungszentrum für Patientinnen und Patienten aus der gesamten Region.
Gerade bei Wechseloperationen ist die Ausgangssituation häufig deutlich komplexer als bei einer Erstimplantation. Vorhandene Implantate, veränderte Knochenstrukturen, Narbengewebe, Instabilitäten oder Achsabweichungen können die operative Planung und Umsetzung erschweren. In solchen Situationen kommt es besonders darauf an, die individuelle Gelenksituation exakt zu analysieren und die Rekonstruktion präzise an die Patientin oder den Patienten anzupassen.
Die digitale Navigation unterstützt das Team des EPZMax dabei, wichtige Parameter wie Beinachse, Bandspannung, Beweglichkeit und Implantatposition während des Eingriffs noch genauer zu erfassen. So kann die Prothese dreidimensional und millimetergenau ausgerichtet werden – passend zur jeweiligen anatomischen und funktionellen Situation.
„Bei komplexen Wechseloperationen oder nach Komplikationen zählt jedes Detail“, sagt Christian Hoff, Sektionsleiter Endoprothetik. „Hier treffen Erfahrung, sorgfältige Planung und präzise Umsetzung unmittelbar aufeinander. Die digitale Navigation gibt uns zusätzliche Informationen während des Eingriffs und unterstützt uns dabei, auch schwierige Knieprothesenfälle individuell und passgenau zu versorgen.“
Erfahrung bleibt entscheidend
Trotz aller technischen Möglichkeiten bleibt die Erfahrung der Operateurinnen und Operateure der entscheidende Faktor. Die digitale Navigation ersetzt nicht die chirurgische Expertise, sondern ergänzt sie. Der Operateur behält während des gesamten Eingriffs die volle Entscheidungshoheit und verbindet sein anatomisches Verständnis, sein haptisches Gespür und seine operative Erfahrung mit zusätzlichen digitalen Messdaten.
„Die Technik macht die Operation nicht automatisch besser – entscheidend ist, wer sie anwendet und wie sie in ein erprobtes Behandlungskonzept eingebunden wird“, betont Hoff. „Als EPZMax bringen wir die Erfahrung aus vielen anspruchsvollen Eingriffen mit. Wir wissen, wann eine Versorgung individualisiert werden muss und welche technischen Möglichkeiten dafür sinnvoll eingesetzt werden können. Die neue Technik ergänzt diese Erfahrung um digitale Präzision – gerade dort, wo Standardlösungen nicht ausreichen.“
Studien zeigen, dass trotz moderner Implantate ein Teil der Patientinnen und Patienten nach einer Kniegelenkersatzoperation nicht vollständig zufrieden ist. Gründe können Schmerzen, ein ungewohntes Bewegungsgefühl oder funktionelle Einschränkungen sein. Das Alexianer Klinikum Hochsauerland setzt deshalb bewusst auf eine möglichst individuelle Versorgung statt auf standardisierte Lösungen.