Von ihrem abwechslungsreichen Alltag und der Begegnung mit den Menschen berichtet die 55-jährige Diplom-Religionspädagogin und Seelsorgerin Grace Konal, die als Teammitglied stets das seelsorgerische Wohl der Menschen im Alexianer Klinikum Hochsauerland im Blick hat.
„Die Aufgabenbereiche sind sehr vielfältig, unter Krankenhausseelsorge verstehe ich die seelsorgerische Begleitung von Patientinnen und Patienten in Krisen, bei schwerer Krankheit, in Situationen von Leid und Abschied oder auch am Lebensende“, beschreibt Konal das Spektrum ihrer Arbeit. Dazu gehören für sie auch vertrauliche Gespräche und eine spirituelle und religiöse Begleitung, die sich an der individuellen Lebens- und Glaubenswelt orientiert und Unterstützung bei Sinn-, Schuld- oder Hoffnungsfragen gibt. „Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Begleitung von Angehörigen, insbesondere in Abschieds-, Entscheidungs- und Trauersituationen“, sagt die Seelsorgerin. Für sie ganz wichtig ist die Einbindung ihrer Arbeit in das therapeutische Gesamtkonzept. „Die Klinikseelsorge arbeitet interdisziplinär mit Ärztinnen und Ärzten, Pflege sowie weiteren Berufsgruppen zusammen und leistet einen Beitrag zur ganzheitlichen Versorgung im Krankenhaus.“ Als Klinikseelsorgerin steht sie zudem auch als Anlaufstelle für Mitarbeitende zur Verfügung, die im Krankenhausalltag immer wieder mit emotional und ethisch fordernden Situationen konfrontiert sind.
Grace Konal sieht sich durch den christlichen Auftrag der Zuwendung und Nächstenliebe motiviert, den sie im Klinikalltag konkret lebt und für den sie vom Erzbischof von Paderborn eingesetzt wurde. „Ich möchte deshalb Menschen in belastenden und existentiellen Situationen begleiten, ihnen zuhören und begegnen – unabhängig von Religion, Weltanschauung oder sozialem Hintergrund“, sagt Konal. Respekt und Wertschätzung in der Überzeugung, dass jeder Mensch eine unverwechselbare Würde hat, sind ihr wichtig. „Patient*innen beschäftigen sich natürlich häufig mit ihrer Erkrankung, Angehörige sind in Sorge um sie und werden mit Entscheidungen und der Belastung durch die Verantwortung für die erkrankte Person konfrontiert“, weiß die Klinik-Seelsorgerin.
Einen typischen Arbeitsalltag gibt es deshalb für Grace Konal nicht. Durch Ärztinnen und Ärzte, das Pflegepersonal, Therapeutinnen und Therapeuten oder den Sozialdienst wird sie z.B. auf Patient*innen aufmerksam gemacht, die seelsorgerische Unterstützung wünschen oder benötigen. Eine Begleitung erfolgt stets vor dem Hintergrund von individuellen Bedürfnissen. „Mein Tag umfasst häufig Gespräche mit Patient*innen, Angehörigen oder Mitarbeitenden, die ich in Krisen- oder Abschiedssituationen unterstützen kann“, so Konal weiter. Flexibilität und Einfühlungsvermögen seien dabei besonders wichtig. Immer wieder bekommt sie Fragen zu Sinn und Hoffnung im Leben und zum Umgang mit Krankheit oder Tod gestellt. Aber auch praktische Fragen, z.B. zu Entscheidungen, Therapien oder Abschiedssituationen kommen regelmäßig vor. „Ich höre von den Ängsten, Sorgen oder Enttäuschungen in Bezug auf das Weltgeschehen, Krieg, gesellschaftliche Entwicklungen oder die Kirche.“
Bei der Suche nach Antworten auf die vielfältigen Fragen und Sorgen der Patient*innen hilft Grace Konal die Wertschätzung ihrer Person und ihrer Arbeit als Teil des interdisziplinären Teams am Alexianer Klinikum Hochsauerland. Die Hälfte ihrer Arbeitszeit umfasst die Klinikseelsorge, die andere Hälfte ihre Arbeit in der Propstei Pfarrei St. Laurentius in Arnsberg. „Die Zusammenarbeit mit allen Bereichen ist eingespielt, meine Tätigkeit wird häufig auch als emotionale Entlastung für das Pflegepersonal wahrgenommen. Meine Gespräche unterliegen zudem der seelsorgerischen Schweigepflicht“, erklärt Grace Konal. Ihre Arbeit und das Aufgabengebiet haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert: Zu Beginn ihres Dienstes wurde die Seelsorge von Patient*innen, Angehörigen und Mitarbeitenden vor allem im Zusammenhang von spirituellen Bedürfnissen angefragt. „Heute suchen die meisten Menschen diese Unterstützung bei der Bewältigung ihrer persönlichen Lebensthemen und wünschen sich vor allem ein offenes Ohr für ihre individuellen Lebensumstände“, beschreibt die Diplom-Religionspädagogin.
Zu den Glücksmomenten ihrer Arbeit gehört, wenn sich bei den Meschen nach den Gesprächen etwas gelöst hat und Patient*innen wieder lächeln und neue Kraft schöpfen oder die eigenen Ressourcen mit der Motivation zum Gesundwerden wiederentdecken. „Der Beitrag der Seelsorge zu den ganzheitlichen Heilungs- und Bewältigungsprozessen wird wertgeschätzt. Und Aussagen von Patient*innen wie `Seelsorge – bin ich schon so weit?´ höre ich seit Jahren nicht mehr“, lächelt Grace Konal zum Abschluss, bevor sich die nächsten Patient*innen schon auf ihren Besuch freuen.