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23.07.2019

Neues Leben nach Harninkontinenz

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Dr. med. Anja Brinkmann (links im Bild), die ärztliche Leiterin des Kontinenzzentrums am Klinikum Hochsauerland zeigt einen Blasenschrittmacher wie er bei Patientin Anneliese Graeve eingesetzt wurde. Mit der Fernbedienung kann Frau Graeve das Gerät bei Bedarf anpassen oder ein- und ausschalten.

„Ich kann endlich wieder durchschlafen“, sagt Anneliese Graeve. Die 71-Jährige hat viel Lebensqualität zurückgewonnen, nachdem ihr von Dr. med. Anja Brinkmann, der ärztlichen Leiterin des Kontinenzzentrums am Klinikum Hochsauerland, ein Blasenschrittmacher eingesetzt wurde. Für die Balverin ging damit ein langer Leidensweg zu Ende. Nacht für Nacht raubte ihr häufiger Harndrang den Schlaf. Und auch tagsüber blieb sie lieber in der Reichweite einer Toilette. Beckenbodenerkrankungen weit verbreitet Harn- und Stuhlinkontinenz treten häufig auf. In Deutschland gibt es über 9 Millionen Betroffene, die unter Blasenschwäche, Darmschwäche oder anderen Beckenbodenerkrankungen leiden. Viele Betroffene sprechen nicht gerne über das „Tabuthema“. Dabei ist es wichtig, offen mit den Leiden umzugehen, denn Inkontinenz ist sehr häufig heilbar. Eine leichte Harninkontinenz lässt sich nicht selten mit Stärkungsübungen der Beckenbodenmuskulatur in den Griff bekommen – schwierigere Fälle erfordern weitergehende Therapiemaßnahmen informierte Frau Dr. Brinkmann. Aufgrund verschiedener möglicher Ursachen empfiehlt Fr. Dr. Brinkmann in allen Fällen zunächst eine fundierte und differenzierte Diagnostik.

Langer Leidensweg

Anneliese Graeve hat eine richtige Odyssee hinter sich. „Ich bin am Tag bestimmt 30-mal zur Toilette gegangen, zudem nachts alle halbe Stunde. Ich habe kaum noch Schlaf bekommen. Durch den Schlafmangel ging es mir miserabel. Und nicht nur mir. Auch mein Mann ist ständig wach geworden, wenn ich wieder raus musste. Wir haben dann teilweise getrennt geschlafen, das ging nicht mehr“, erinnert sich Anneliese Graeve. „Hinzu kam, dass ich nicht nur oft rennen musste, sondern es auch nicht immer rechtzeitig geschafft habe. Dann lief alles in die Vorlage. Die habe ich an machen Tagen ein halbes Dutzend Mal wechseln müssen“, beschreibt Frau Graeve die Symptome der verbreiteten Erkrankung. Mit etwas über 30 Jahren habe das Ganze bei ihr angefangen. Zu Beginn habe sie zwar noch nicht ganz so oft zur Toilette gemusst, jedoch seien die Beschwerden mit der Zeit schlimmer geworden. Anfangs hätten auch die eingenommenen Medikamente noch Linderung gebracht. Später folgten insgesamt drei Operationen. Im letzten Jahr war sie aufgrund vieler Harnwegsinfektionen ständig in Behandlung. Dann habe die behandelnde Ärztin sie ins Kontinenzzentrum überwiesen.

Blasenschrittmacher erstmals in der Region eingesetzt

Dr. med. Anja Brinkmann, die ärztliche Leiterin des Kontinenzzentrums am Klinikum Hochsauerland empfahl nach eingehenden Untersuchungen die sakrale Neuromodulationstherapie zur Linderung der Beschwerden von Frau Graeve. Bei der sakralen Neuromodulation werden sanfte elektrische Impulse von einem Schrittmacher an die sogenannten Sakralnerven abgegeben, die die Funktion von Blase und Enddarm steuern. Technisch gesehen funktioniert diese Therapie ähnlich wie ein Herzschrittmacher. Weil mit dieser Methode verschiedene Funktionsstörungen von Blase und Enddarm behandelt werden können, spricht man auch von einem Blasen- oder Darmschrittmacher. Das Verfahren ist bereits seit Jahren bewährt und steht nun erstmals auch im Kontinenzzentrum des Klinikums Hochsauerland zur Verfügung.

Zwei kleine Eingriffe

Die Implantation des Blasenschrittmachers erfolgt in zwei separaten minimalinvasiven Eingriffen von je ca. 30 Minuten Dauer. Um zu testen, ob die sakrale Neuromodulation auch funktioniert, implantierte die ärztliche Leiterin des Arnsberger Kontinenzzentrums bei Frau Graeve zunächst eine Elektrode durch eine natürliche Öffnung im Kreuzbeinknochen, die mit einem Schrittmacher außerhalb des Körpers verbunden war. In der anschließenden Testphase von ca. drei bis vier Wochen wurde geprüft, ob die Maßnahme auch tatsächlich anschlägt. Nachdem sich dies bestätigte, wurde Frau Graeve dann der Blasenschrittmacher unter der Haut im oberen Gesäßbereich eingesetzt. Seit dem ist das kleine Gerät von außen nicht zu sehen.

Mit Hilfe eines speziellen Programmiergerätes kann die Ärztin von außen jederzeit die Einstellungen des Schrittmachers auf die individuellen Bedürfnisse hin optimieren. Die Patienten erhalten eine Fernbedienung, über die sie den Schrittmacher jederzeit aus– und einschalten sowie die Stärke der Impulse anpassen können.

Endlich wieder durchschlafen

Anneliese Graeve spürte schon am Morgen nach der Einschaltung des Testschrittmachers eine deutliche Verbesserung. Sie hatte durchgeschlafen. Ein Gefühl, das sie schon lange nicht mehr kannte und auf das sie nun, nach Implantation des endgültigen Schrittmachers, auch nicht mehr verzichten will.

Ergänzende Information: Kontinenzsprechstunde bietet Beratung und Unterstützung

Mit der Kontinenzsprechstunde steht am Klinikum Hochsauerland, Standort Marienhospital, ein Versorgungsangebot zur Verfügung, das Betroffenen eine qualitativ hochwertige Therapie gepaart mit individueller, diskreter und persönlicher Betreuung ermöglichen soll. Sprechstundentermine können über das Sekretariat des Kontinenzzentrums unter folgenden Kontaktdaten vereinbart werden: Telefon: 02931 870-244581 (Mo bis Do, zwischen 8 und 13 Uhr) oder E-Mail: kontinenzzentrum@remove-this.klinikum-hochsauerland.de